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Die Geschichte der Gilde
Laudatio zum 80-sten Geburtstag von Oskar Weber am 10. Dezember 2001
Oskar Weber: "...und das Wichtigste ihr Leut', vergeßt den Spaß nicht an der Freud'."
Wie oft haben unzählige Jagdhornbläser diesen
Schlußsatz unseres Oskar Weber gehört, sei es zum
Abschluß seiner Rechenschaftsberichte als Hornmeister der Gilde
oder aber als versöhnende Worte nach einer Übungsstunde. Wer
kennt ihn nicht: viel Musikalität im Kopf, immer überaus
hilfsbereit, stets bescheiden, freundlich und manchmal mit leidender
Mine, wenn wieder einmal nur "ein paar gute Stellen" in dem
Gehörten gewesen sind.
Als echter Darmstädter Bub kam er am 10. Dezember 1921 in
den schweren Nachkriegsjahren des 1. Weltkrieges als erstes Kind eines
Polizeibeamten zur Welt. Seine Jugend wurde wohl von der Inflation 1923
und der Weltwirtschaftskrise 1929 beeinflußt. Dennoch war Musik
bereits in frühester Jugend sein Hobby. Er lernte Klavier,
später Trompete und Violine spielen. Nach Schulabschluß
begann Oskar Weber ein Studium an der Akademie für Tonkunst in
Darmstadt, das jäh vom Ausbruch des 2. Weltkrieges unterbrochen
wurde. Oskar Weber war gerade alt genug, um 1940 zum
Reichsarbeitsdienst eingezogen zu werden. Sein musikalisches Talent
wurde schnell erkannt, so daß eine Versetzung zum Gaumusikzug 25
Hessen-Süd erfolgte. 1941 wurde Oskar Weber zum Wehrdienst
berufen. Nach der kurzen Grundausbildung wurde er zum berittenen
Trompeterkorps Artillerie Regiment 34 nach Koblenz, später nach
Nancy versetzt. Seine Aufgabe war es, mit Meldereiterausbildung als
Signaltrompeter zu dienen. Nach Auflösung des Trompeterkorps
verbrachte er bei der Gebirgsartillerie in Nordkarelien und Lappland
als Funker und Fernsprecher mehrere Kriegsjahre. Seine Trompete war der
treue Begleiter. Mut bewies Oskar Weber, indem er nach Kriegsende aus
französischer Gefangenschaft floh, um in Heilbronn von den
Amerikanern wieder inhaftiert zu werden. Nach der Entlassung aus
US-Haft 1947 hatte Oskar Weber wenigstens wieder Papiere, damals
lebensnotwendig, denn ohne Papiere gab es keine Lebensmittelmarken.
Nach Rückkehr aus der Gefangenschaft nahm Oskar Weber
sein Musikstudium an der Musikakademie Darmstadt wieder auf. Hier wurde
er zum Orchestertrompeter ausgebildet. Die Musik ist sein Leben. Von
1950 bis 1954 war Oskar Weber während der Sommerfestspiele in
Jagsthausen im "Götz von Berlichingen" Bühnenmusikleiter mit
einem Musikstudenten-Ensemble aus Darmstadt. Aus dieser Zeit gibt es -
auch den heutigen reiterlichen Jagdhornbläser noch bekannte -
Musikstücke aus der Feder von Oskar Weber. Darüber hinaus
nahm Oskar Weber verschiedene Lehrtätigkeiten wahr, u.a.
unterrichtete er in einem Darmstädter Mädchengymnasium 12
Jahre lang das Fach Trompete. Oskar Weber war erster Trompeter des
Instrumentalvereins Darmstadt, einem renommierten Liebhaberorchester,
später deren Vorstandsmitglied.
Auch in der Jägerschaft seiner Heimatstadt sprach sich
sein Talent schnell herum. Oskar Weber stellte dem Jagdklub Darmstadt
sein Wissen und Können zur Verfügung. Von 1956 bis 1958 war
er der Leiter des dortigen Bläserkorps.
Im Februar 1968 gründete sich im Darmstädter
Reiterverein, der in Darmstadt-Kranichstein beheimatet ist, eine
Jagdhornbläsergruppe. Oskar Weber war ihr Kopf und musikalischer
Leiter. Mit Stolz erfüllt ihn die Tatsache, daß "seine"
Gruppe die älteste in Hessen ist. Dreißig Jahre lang leitete
Oskar Weber diese Bläsergruppe mit gutem Erfolg und bildete
unzählige Nachwuchsbläser aus. 1998 mußte er aus
gesundheitlichen Gründen die Leitung der Bläsergruppe in
jüngere Hände legen.
Seit 1971 ist Oskar Weber Ehrenmitglied der Kameradschaft des
ehemaligen Kavallerieregiments 6 in Darmstadt. Für dieses Regiment
hat Oskar Weber den "Schwedter Adler"-Marsch komponiert, der 1987 dem
Panzer-Aufklärungs-Lehr-Bataillon 11 in Munster als
Traditionsmarsch zugeeignet wurde. Eine langjährige Freundschaft
entspann sich zwischen dem Oberstleutnant a.D. Friedrich Deisenroth und
Oskar Weber. Neben der Militärmusik verband beide die Freude und
Förderung der Jagdmusik.
Fotos von der Geburtstagsfeier am 15.12.2001
im Rittersaal des Pfälzer Schlosses von Groß-Umstadt (Hessen)
Fotografin: Claudia Bormann

Als in der Gilde 1981 die Position des Hornmeisters vakant
war, berief der damalige Gildemeister, Dr. Karl Obermayr, Oskar Weber
als kommissarischen Hornmeister in den Vorstand der Gilde. Mit
überwältigender Mehrheit wurde Oskar Weber von der
Hauptversammlung der Gilde als Hornmeister bestätigt. Bereits im
ersten Jahr seiner Amtszeit hatte Oskar Weber in dieser Funktion beim
6. Bundeswettbewerb der Gilde im Schloß Biebrich in Wiesbaden ca.
500 Bläser bei gemeinsamen Auftritten zu leiten. In den vielen
Jahren seiner Zugehörigkeit zum Vorstand der Gilde hat Oskar Weber
stets sein Bestes gegeben, er war immer für jedermann ansprechbar,
er schrieb unzählige Reiterrufe und Musikstücke für die
Gruppen der Gilde oder einzelne Mitglieder. Aus der Fülle seiner
Arbeit sollen zwei Dinge besonders hervorgehoben werden:
- Es ist das Verdienst von Oskar Weber, daß heute
jeder Jagdhornbläser, egal ob er auf Norderney oder in
Berchtesgaden beheimatet ist, mit einem anderen Jagdhornbläser
gemeinsame Stücke und Signale blasen kann. Die Gilde hat in den
Jahren 1985 und 1986 drei Bände Notenliteratur "Die Reiter kommen
Band 1 bis 3" editiert. Oskar Weber hatte den Löwenanteil mit dem
Zusammentragen und der Aufbereitung der Stücke, die zum
großen Teil seine eigenen Werke und die Werke anderer Komponisten
aus den eigenen Reihen der Gilde waren, geleistet.
- Oskar Weber hat ein großes Stück zur
deutsch-deutschen Wiedervereinigung beigetragen. Während des 11.
Bundeswettbewerbes 1992 vor dem Schloß Moritzburg in Dresden
wurde am Abend der große Zapfenstreich in Kavalleriefassung,
komponiert und arrangiert von Oskar Weber, durch Mitglieder der Gilde
aufgeführt. Die Kulisse des Jagdschlosses, die abendliche
Stimmung, die brennenden Fackeln, die bekannten Melodien mit der
deutschen Nationalhymne des gelungenen Vortrags geleitet von Oskar
Weber, waren Garanten für eine tiefe Ergriffenheit und
Verständigung zwischen einheimischer Bevölkerung und den
Jagdhornbläsern überwiegend aus den alten Bundesländern.
Am 10. Dezember wird Oskar Weber 80 Jahre alt.
Er kann stolz auf sein musikalisches Werk zurückschauen. Die
gesamte Jagdhornbläser-Gilde ist ebenso stolz auf ihr
Ehrenmitglied, bedankt sich von ganzem Herzen für die komponierte
Jagdhornmusik und gratuliert sehr herzlich zum Geburtstag. Alle guten
Wünsche für eine bessere Gesundheit begleiten Oskar Weber in
das neue Lebensjahrzehnt.
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